„Eine Hilfe ist eine Hilfe, wenn sie dem Pferd hilft.“

Dieses Zitat von Bent Branderup erinnert an einen wesentlichen Gedanken: Eine Hilfe ist nicht das, was der Reiter tut, sondern das, was das Pferd versteht – oder spürt. Es ist wichtig, diese Unterscheidung von Anfang an zu treffen.

Bewusst erlernte Hilfen

Ein Teil der Hilfen besteht aus erlernten Signalen. Das Pferd nimmt sie sensorisch wahr, verarbeitet sie bewusst und reagiert entsprechend der Bedeutung, die es der jeweiligen Hilfe beimisst. Ein klassisches Beispiel ist die Schenkelhilfe als treibende Hilfe. Das Pferd lernt, dass es bei Druck durch den Schenkel vorwärtsgehen muss, damit dieser Druck nachlässt. Dies ist ein Beispiel für negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes verschwindet, sobald die erwartete Reaktion erfolgt.

Unser Ziel sollte es stets sein, den Lernprozess für das Pferd so klar, angenehm und verständlich wie möglich zu gestalten. Eine gute Hilfe ermöglicht es dem Pferd, rasch die richtige Lösung zu finden – sodass die Hilfe sogleich wieder nachgegeben werden kann. Auf diese Weise erhalten wir uns motivierte und aufmerksame Pferde, die mit Freude bei der Sache sind.

Hilfengebung stressfrei erlernen: Die Rolle der Bodenarbeit

Wie lässt sich das Erlernen der Hilfengebung unter dem Sattel so entspannt wie möglich gestalten?
In der akademischen Reitkunst lernt das Pferd diese Hilfen bereits bei der Arbeit vom Boden aus. Nimmt man das Beispiel der treibenden Schenkelhilfe: Das Pferd lernt zunächst, die Gerte zu verstehen, die an der Position des inneren Schenkels angesetzt wird. Später unter dem Sattel übernimmt der Schenkel genau diese Rolle. Bei Missverständnissen kann die Gerte die Hilfe an derselben Stelle verstärken, sodass das Pferd das am Boden Gelernte wiedererkennen kann.

Unbewusste Hilfen und Körpersprache

Es gibt eine zweite Kategorie von Hilfen, die das Pferd nicht bewusst erlernt. Hierbei reagiert es auf propriozeptive Informationen aus seinem myofaszialen System, die unbewusst an sein Nervensystem weitergeleitet werden. Diese Informationen veranlassen das Pferd dazu, sich anzupassen – ebenfalls auf unbewusste Weise.

Das Pferd folgt beispielsweise ganz natürlich unserem Schwerpunkt, um sein Gleichgewicht zu wahren. Es biegt sich um den Sitzbeinhöcker, der einen stärkeren Druck auf seine Rückenmuskulatur ausübt. Es liegt also an uns, unsere Körpersprache bewusst zu beherrschen und einzusetzen. Denn wenn Hände und Beine widersprüchliche Signale im Vergleich zum Sitz geben, kann das Pferd lernen, diese eigentlich sehr feinen Impulse zu ignorieren.

Fingerspitzengefühl lässt sich vermitteln.

Für beide Arten von Hilfen gilt ein Grundsatz: Wenn wir möchten, dass unser Pferd auf feine Hilfen reagiert, müssen wir diese Feinheit trainieren. Das bedeutet, dass wir bereits die kleinste korrekte Reaktion belohnen und die Hilfe sofort nachgeben müssen. Anschließend können wir die Hilfe erneut geben. Erst wenn wir sicher sind, dass das Pferd die Aufforderung verstanden hat und sie mühelos ausführen kann, steigern wir schrittweise unsere Anforderungen.

Hilfsmaßnahmen langfristig ausrichten

Ein weiterer wesentlicher Aspekt bei der Vermittlung von Hilfen ist die Überlegung, welche wir später benötigen werden. Die Hilfen müssen klar, differenziert und schlüssig vermittelt werden, damit sie weder verwirrend noch widersprüchlich wirken.

Ein häufiges Beispiel: Viele Reiter möchten auf die Versammlung hinarbeiten oder die Hinterhand stärker aktivieren. Oft haben sie dem Pferd jedoch bereits eine treibende Hilfe beigebracht, die auf die Hinterhand wirkt. Es fehlt dann ein „Signal“, um die Hinterhand zu aktivieren, ohne das Tempo zu erhöhen. Es ist weitaus sinnvoller, die Hilfe für die Vorwärtsbewegung dort zu vermitteln, wo der Schenkel später einwirken soll, und Hilfen, die auf die Kruppe wirken, für die spätere Arbeit an der Versammlung aufzusparen.

Wenn du Hilfe dabei brauchst, feine und stimmige Hilfen zu etablieren, helfe ich dir gerne. 🐴

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